Freizeitaktivitäten im Ambulant Betreuten Wohnen Märkischer Kreis 

Blaues Kreuz Diakoniewerk mGmbH, Blaukreuz Zentrum-Hagen ABW, Hagen, 2025

Schilderung des Projektes


Anzahl der Teilnehmer*innen

Je nach Freizeitaktivität 1 bis 26 Klient*innen unter der Betreuung von 1 bis 4 Mitarbeiter*innen

Start – Ende
März 2025 bis November 2025

Situation zu Beginn des Projektes 
Wir betreuen suchtkranke Menschen, die zum Teil bereits suchtmittelfrei, zum Teil noch nicht suchtmittelfrei leben. Einige leiden unter einer Sozialphobie, sie ertragen es kaum, sich länger in Gruppen aufzuhalten. Sie sind ALG-2- oder Sozialhilfeempfänger*innen oder Rentner*innen und von daher nicht in der Lage, sich Freizeitaktivitäten zu finanzieren. Viele sind aufgrund ihrer Suchterkrankung noch nie oder seit Jahren nicht mehr in einem Museum, Kino, auf einem Fest oder sportlich aktiv gewesen.

Projektziele

  • Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben
  • Training der sozialen Kompetenz wie Kompromissbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit
  • Förderung der Potentiale und Fähigkeiten
  • Kompetenzerweiterung und Persönlichkeitsentwicklung durch Wahrnehmung von Angeboten der Erwachsenenbildung (z.B. durch Museumsbesuche)
  • Verbesserung der Belastbarkeit
  • Bewältigung von Antriebsstörungen, Interesselosigkeit und Depressionen
  • Gemeinschaftserlebnisse
  • Erleben von Selbstwirksamkeit bei der Mitgestaltung der Ausflüge, beim Kochen, etc.
  • Stärkung des Selbstbewusstseins
  • Stärkung des Abstinenzwillens und der Abstinenzfähigkeit
  • Erhöhung von Lebensfreude
  • Bewegung in freier Natur
  • Gesundheitsfürsorge durch sportliche Aktivitäten
  • Erweiterung des Erlebnishorizontes

Leitung

Mitarbeiter*innen des Ambulant Betreuten Wohnens: Sozialpädagoge, Psychologe, Diplom-Heilpädagogin, Sozialarbeiterin, Erzieherin, Betreuungskraft)


Erreichte Ergebnisse

Ist-Zustand


Die Situation der Klient*innen ist durch folgende Faktoren geprägt:
-    sie leben zurückgezogen 
-    sie haben keinen Mut und keine Kraft, von sich aus etwas zu unternehmen
-    um am sozialen und kulturellen Leben teilzunehmen
-    sie leiden teilweise unter Depressionen
-    es fehlt ihnen an Selbstachtung
-    sie verfügen über eine geringe Frustrationstoleranz
-    sie erleben wenig Selbstwirksamkeit
-    ihre Kommunikationskompetenz ist eingeschränkt
-    es fällt ihnen schwer, ihre Bedürfnisse angemessen zu äußern
-    sie sind nur begrenzt kritikfähig
-    sie versuchen, ihren Problemen mit Hilfe von Suchtmitteln zu entkommen    
-    einige haben Freizeiterfahrungen mit dem Blauen Kreuz aus den letzten Jahren
-    sie haben Angst vor Neuem und vor Veränderungen, Angst davor, außergewöhnliche Situationen nicht zu bewältigen

Veränderungen

Folgende Ergebnisse wurden durch die gemeinsamen Aktivitäten erzielt:
-    Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben, z.B. Teilnahme an den Elsper Festspielen, Museumsbesuch
-    Erweiterung der sozialen Kompetenz wie Kompromissbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit, z.B. durch gemeinsames Planen des nächsten Ausfluges 
-    Gestärktes Selbstwertgefühl, z.B. durch Kanufahrt, Klettern
-      Erhöhung der Belastbarkeit
-     Bewältigung von Antriebsstörungen, Interesselosigkeit und Depressionen 
-    Gemeinschaftserlebnisse
-    Erleben von Selbstwirksamkeit beim Grillen, Klettern, Mitgestaltung und Planung von Ausflügen etc.
-    Stärkung des Abstinenzwillens und der Abstinenzfähigkeit
-    Erhöhung von Lebensfreude
-    Bewegung in freier Natur, Kanufahrt, Klettergarten
-    Erweiterung des Erlebnishorizontes
-    Mut zu Veränderungen

Besondere Vorkommnisse - Unerwartetes

Positiv: 
-    Die Teilnehmenden zeigten Eigeninitiative, zum Beispiel bei der Vorbereitung der Ausflüge, beim Grillen, etc..
-    Viele zeigten Verständnis füreinander, Kommunikation und Toleranz waren besonders beim Kanufahren gefordert.
-    Durch unsere vielfältigen Angebote konnten viele Klient*innen erreicht werden.

  • Wörtliche Äußerungen von Klienten:
    -     Kanutag: „Das war ein echtes Highlight!“ 
    -     Der erste Ausflug einer Klientin gemeinsam mit ihrem Kind (Sauerlandpark) „Das tat so gut!“
    -     Klettern: „Mann, ich hätte nie gedacht, dass ich das schaffe.“
    -    Herbstleuchten Hemer: „Ich komme noch einmal am Wochenende mit meinem Sohn hierher. Es ist so schön! Das sind mir die 9 Euro Eintritt wert. Da kauf ich lieber weniger Cannabis und hab auch ein genauso geiles Erlebnis.“
  • Äußerung von Mitarbeiter*innen: 
    -    Zeche Nachtigall: „Mein Klient hat im Zechenmuseum vieles an seine Jugendzeit in der DDR erinnert, hat etliches wiedererkannt. Er war stolz, mir vieles erklären zu können, was ich nicht kannte. Wir kamen an dem Tag zum 1.Mal sehr intensiv ins Gespräch über seine Herkunftsfamilie mit Schönem und Schwierigem. Es war für ihn ein entspannter Tag in aktuell sehr schwieriger persönlicher Zeit (arbeitslos geworden, kein Geld). Er konnte erleben, dass er seinen Blick wieder weitet, auch für Positives.“
    -    Ausflug Herbstleuchten Hemer: „Es war echt berührend, wie begeistert die vier waren und sich so oft bedankt haben.“
  • Negativ: 
    -    Vor dem Museum verschwanden zwei Teilnehmer um zu kiffen.
    -    Unsere Klient*innen sagten häufig kurzfristig die Ausflüge ab, nachdem sie zunächst begeistert zugesagt hatten. Durch diese Unzuverlässigkeit arbeiteten wir eher in Kleingruppen.

Potentialentfaltung

Das Eingebundensein in die Gruppe, die gemeinsamen Planungen der Ausflüge und die Gruppenaufgaben förderten die Entfaltung individueller Begabungen und Potentiale, wie etwa beim Kanufahren oder Klettern. Von allen wurde Rücksichtnahme aufeinander gefordert, etwa auf schwache Teilnehmer*innen, insbesondere im Klettergarten.
Einer Klientin gelang es, einen anderen sehr ruhigen, schwer in Kontakt und ins Gespräch kommenden Teilnehmer aus der Reserve zu locken und sich mit ihm angeregt zu unterhalten.

Nachhaltigkeit – wofür war das Projekt Ihrer Meinung nach sinnvoll?

Die Erfahrung außergewöhnlicher Erlebnisse, gelungener Kommunikations- und Gruppenprozesse, der Bewältigung von Konflikt- und Stresssituationen durch gemeinsame Reflektion, das Erlebnis von Selbstwirksamkeit und der Entfaltung nicht mehr aktivierter Potentiale stärkt das Selbstbewusstsein und die Abstinenzmotivation bei den Teilnehmer*innen. 

Wirkung im Arbeitsfeld

Die Teilnehmer*innen sind motiviert, weiterhin suchtmittelfrei zu leben.
Sie erzählen ihren Bekannten von den Freizeitaktivitäten. Sie werden zum Vorbild für andere.
Die Arbeit des Blauen Kreuzes wird bekannter. Es melden sich Menschen mit Suchtproblematik und bitten um Unterstützung, um ihr Leben verändern zu können.  
Die wöchentlichen Gruppenaktivitäten werden stärker besucht. Wir können Aufgaben delegieren. Die Teilnehmer*innen übernehmen mehr an Verantwortung für sich und für andere.