Weg zur Stille, Pilger-Seminar

Kreuzbund DV Essen, Essen, 2025

"Wer den Weg geht, findet Kraft, die er im Stehen nie entdeckt hätte." 
Pilgerseminar von Schwalenberg nach Kloster Marienmünster - Marienmünster zum koptischen Kloster Brenkhausen - Brenkhausen zum Kloster Corvey in Höxter 
Der Kreuzbund DV Essen hat in diesem Jahr ein Verbandsübergreifendes Pilgerseminar ausgearbeitet und zum Mitwandern eingeladen. Die Teilnehmer*innen kamen vom DV Essen, DV Köln, BKE, BKD. Besonders hervorzuheben ist die finanzielle Unterstützung der Boesken Stiftung, nur so konnte das Verbandsübergreifende Projekt realisiert werden. 

Und so machten wir uns auf - drei Tage lang den Weg der Stille zu gehen. Dieser gemeinsame Weg war mehr als nur Wanderung durch schöne Landschaften - er war ein Weg zu uns Selbst, ein Stück Heilung und ein Symbol für Mut und Hoffnung. 
Die erste Etappe führte uns von dem kleinen Fachwerkstädtchen Schwalenberg über 16 km und 360 Höhenmetern zum Kloster Marienmünster. Eine Strecke voller Natur, Geschichte, spirituellen Impulsen - ideal um zur Ruhe zu kommen, auf seine eigene Atmung zu achten und seinen eigenen Rhythmus zu finden. Beim Gehen öffnen sich Menschen, es ist kein Zwang zu reden- aber wenn man redet ist es ehrlich. Es werden Dinge ausgesprochen, die sonst nie gesagt würden, weil das Gehen eine geschützte Atmosphäre schafft. Und so sind 9 Menschen an einem Morgen zu einer Pilgerwanderung gestartet und am späten Nachmittag als Gruppe ins Ziel gekommen. Voller Stolz und Zufriedenheit mit Vorfreude auf das gemeinsame Abendessen und den Austausch über das Erlebte. 

Die zweite Etappe führte von Marienmünster zum Kloster Brenkhausen, 15 km und 300 Höhenmeter mussten geschafft werden. Die Gruppe war motiviert und freute sich auf den Weg. Vertrauen und gegenseitige Unterstützung machten es allen leichter. Wenn jemand langsamer lief wurde gewartet und begleitet. Jeder darf so sein wie er ist. Pausen und verschiedene Übungen und Impulse gaben uns die nötige Energie. Die verschiedenen Wegstrecken über Höhen, durch Wälder und Täler, die Stille beflügelten uns und wir wuchsen über uns hinaus. Und schließlich war von der Höhe das Kloster zu sehen. Dort angekommen wurden wir von dem koptischen Bischof Damian persönlich begrüßt. Seit 1995 ist er Seelsorger und Ansprechpartner für rund 6.000 Kopten in Deutschland. Das Kloster ist ein Ort der Begegnung, sowohl christliche Gemeinden wie Individualbesucher werden mit Offenheit und Gastfreundschaft empfangen. 

Wir waren alle von der herzlichen Aufnahme und dem Interesse an unserer Gruppe beeindruckt. Ein Erlebnis das noch lange nachwirken sollte. Beim Abendessen haben wir den Tag noch mal Revue passieren lassen und waren mehr als zufrieden. 

Die dritte Etappe startete in Brenkhausen und führte uns zum Kloster Corvey in Höxter. Schon beim Frühstück machte sich leichte Melancholie bei allen Teilnehmer*innen bemerkbar. Wir waren erst 2 Tage unterwegs aber die Gruppe fühlte sich einander sehr verbunden. Zum Glück bot die Natur uns einen herbstlichen Höhepunkt. Nebelfelder im Tal, die Wiesen voller mit Tau bedeckten Spinnennetzen und auf den Höhen die durchbrechende Sonne - einfach traumhaft schön. Wir haben dieses gemeinsame Erlebnis bewusst wahrgenommen und Zusammenhalt gespürt und die Freude miteinander geteilt. Aber unser Ziel kam immer näher und damit auch das Ende eines ungewöhnlichen Wochenendes. 
Die Füße waren vielleicht müde, doch die Herzen erfüllt vom Erlebten, von der Gemeinschaft, von der Erfahrung, dass Pilgern mehr sein kann als wandern - nämlich ein Weg zu sich selbst und zu anderen. 

Was wandern oder pilgern suchtkranken Menschen bringen kann 
Wandern und Pilgern unterstützen suchtkranke Menschen auf körperlicher, seelischer und sozialer Ebene. Durch Bewegung in der Natur wird der Körper wieder bewusst gespürt und natürliche Glücksgefühle entstehen. Der rhythmische Gang beruhigt den Geist, fördert innere Ruhe und stärkt das Vertrauen in die eigene Kraft. 
In der Gruppe können Gemeinschaft, Zugehörigkeit und ehrliche Begegnung erlebt werden - ganz ohne Leistungsdruck. Gleichzeitig symbolisiert der Weg den persönlichen Entwicklungsprozess: Schritt für Schritt loslassen, Neues wagen, sich selbst neu Begegnen. 
Wandern und pilgern schenken somit Klarheit, Sinn, Struktur und Hoffnung - wichtige Bausteine auf dem Weg aus der Sucht hin zu einem selbstbestimmten, bewussten Leben. Genauso weiter ein zufriedenes, stabiles, abstinentes Leben zu führen. 

Mein Dank geht an die Boesken Stiftung, den Kreuzbund DV Essen, den FAS NRW und natürlich an die Gruppe. 
Karin Oerschkes