
Das diesjährige Sucht-Selbsthilfe-Sommerfest war weit mehr als ein geselliges Beisammensein – es war ein Impuls, der nachwirkt. In offener, herzlicher Atmosphäre kamen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen, um sich über Wege der Unterstützung, Zusammenarbeit und Veränderung auszutauschen. Viele besondere Gespräche wurden geführt und das Gespräch mit einem leitenden Oberarzt aus der Duisburger Suchtklinik, der großes Interesse zeigte, die Selbsthilfe besser kennenzulernen, baut weiter Brücken.
Aus diesem ersten Austausch entstand sofort eine konkrete Verbindung: Die Einladung zum Sucht-Austausch, einem regelmäßigen Treffen der Sucht Selbsthilfegruppe, das seit 2017 zwei Mal im Jahr stattfindet und den Dialog zwischen den Selbsthilfegruppen fördert. Dort stellte sich die bunte Vielfalt der Duisburger Sucht - Selbsthilfe vor – von der Entstehung der Selbsthilfe-Kontaktstelle (SHK) über die Geschichte des Suchthilfe-Austauschs bis hin zu Projekten, die bereits gemeinsam erfolgreich umgesetzt wurden, wie z.B. einen gemeinsamen Flyer der Duisburger Sucht-Selbsthilfegruppen.
Duisburg zählt heute 192 Selbsthilfegruppen, davon 72 mit dem Schwerpunkt Sucht. Diese Zahl zeigt eindrucksvoll, wie lebendig und engagiert die Szene bereits ist. Das Sommerfest hat den Impuls gegeben, das Netzwerk weiter auszubauen und Kliniken, Ärztinnen und Ärzte sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter enger einzubinden. Ziel ist es, nachhaltige Strukturen zu schaffen, den Austausch zwischen professioneller Hilfe und Selbsthilfe zu vertiefen und so die Infrastruktur der Sucht-Selbsthilfe in Duisburg zu stärken.
Das Sommerfest hat deutlich gemacht, wie viel entstehen kann, wenn Menschen miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Jetzt gilt es, diesen Dialog fortzusetzen und weiter auszubauen. Denn nur gemeinsam lässt sich erreichen, dass Menschen in Duisburg die Unterstützung finden, die sie wirklich brauchen.
I. Projektzeitraum
Die Projektlaufzeit erstreckte sich über mehr als ein Jahr, von den ersten Konzeptgesprächen im Mai 2024 bis zur Nachbereitung im Juli 2025. Bereits zu Beginn stand der Gedanke im Mittelpunkt, ein gemeinsames Ereignis zu schaffen, das die Duisburger Sucht-Selbsthilfe als vielfältige, lebendige Gemeinschaft sichtbar macht.
Im Laufe der Monate fanden mehrere Planungstreffen statt, in denen VertreterInnen der unterschiedlichen Verbände zusammenkamen, um Programm, Ort und Zielsetzung abzustimmen.
Diese Treffen waren bereits ein wichtiger Teil des Projekterfolgs: Sie förderten das gegenseitige Kennenlernen, Verständnis für unterschiedliche Strukturen und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Am 6. Juli 2025 fand schließlich das Sommerfest im Stapeltor Duisburg statt, als Höhepunkt und sichtbarer Abschluss der gemeinsamen Arbeit.
II. Projektziele
Das Projekt verfolgte mehrere, miteinander verbundene Zielsetzungen:
1. Vernetzung und Sichtbarkeit der Selbsthilfe: Die Duisburger Sucht-Selbsthilfe ist vielfältig und engagiert, arbeitet jedoch oft nebeneinanderher. Ziel war es, durch ein gemeinsames Ereignis den Verbänden eine gemeinsame Plattform zu geben und die Kooperation langfristig zu stärken.
2. Niedrigschwellige Zugänge schaffen: Menschen, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden oder noch keinen Kontakt zur Selbsthilfe aufgenommen haben, sollten auf unkomplizierte Weise mit den Angeboten in Berührung kommen. Das Fest sollte Mut machen, Schwellenängste abbauen und neue Kontakte ermöglichen.
3. Öffentlichkeit und Aufklärung: Das Thema Sucht und Abstinenz sollte im öffentlichen Raum sichtbar werden – nicht als Defizit, sondern als Ausdruck von Stärke, Solidarität und Lebensfreude.
4. Kooperation mit professioneller Suchthilfe: Langfristig sollte eine engere Verzahnung von Selbsthilfe und professioneller Suchthilfe entstehen. Durch die Einladung von Einrichtungen und Fachkräften aus Duisburg sollte ein gemeinsamer Dialog entstehen.
III. Leitung und Organisation
Die operative Leitung lag bei der Sucht-Selbsthilfe Duisburg, die sich aus den beteiligten Verbänden zusammensetzte. Jede Organisation brachte ihre eigenen Ideen, Erfahrungen und Ressourcen ein.
Entscheidungen wurden gemeinschaftlich getroffen, was den Prozess manchmal verlangsamte, aber letztlich zu einer hohen Identifikation aller Beteiligten führte.
Der Kreuzbund Stadtverband Duisburg übernahm die administrative Verantwortung gegenüber der Boesken-Stiftung und sorgte für die ordnungsgemäße Mittelverwendung, während die inhaltliche Ausgestaltung in enger Abstimmung mit allen Verbänden erfolgte.
Die Projektarbeit wurde ehrenamtlich geleistet – ein deutlicher Ausdruck des Engagements und der Selbstverantwortung innerhalb der Sucht-Selbsthilfe.
IV. Aktivitäten und Programmablauf
Nach intensiver Standortsuche entschieden sich die beteiligten Gruppen einstimmig für das Stapeltor Duisburg: ein offenes, inklusives Kulturzentrum, das mit seiner Haltung der Vielfalt und Begegnung hervorragend zur Philosophie der Selbsthilfe passte. Das Stapeltor-Team zeigte sich während der gesamten Vorbereitung als außergewöhnlich flexibel, unterstützend und zugewandt, was eine freie und kreative Gestaltung des Festes ermöglichte.
Das Sommerfest fand am 6. Juli 2025 statt und wurde von Bürgermeisterin Edeltraud Klabuhn offiziell eröffnet. Die Schirmherrschaft übernahm Oberbürgermeister Sören Link, was die Bedeutung des Projekts für die Stadt Duisburg unterstrich. Als Moderatorin konnte Gabi Wessel (Radio Duisburg / Bürgerfunk) gewonnen werden, die mit ihrer lebendigen, empathischen Art durch das Bühnenprogramm führte und das Publikum charmant einbezog.
Zu den Höhepunkten des Bühnenprogramms zählte der Auftritt des Popchors Lebenshunger aus Düsseldorf. Der Chor, der aus einer Selbsthilfegruppe zum Thema Essstörungen entstanden ist, fing mit seinen kraftvollen, lebensbejahenden Liedern den Geist der Veranstaltung auf besondere Weise ein. Die authentischen Stimmen und die spürbare Freude der Sängerinnen sorgten für Gänsehaut-Momente und symbolisierten eindrucksvoll, worum es in der Selbsthilfe geht: Lebensmut, Zusammenhalt und neue Energie.
Einen rockigen Kontrapunkt setzte die Band Tryad, deren „Seelen-Rock“ das Publikum mitriss und die emotionale Bandbreite des Festes wunderbar ergänzte. Dazu kamen eine Lesung zweier Autoren des Kollektivs „Die Hahnenfeder“ aus Duisburg-Meiderich, die mit ihren humorvollen Texten das Publikum zum Schmunzeln brachten, und Teddy, Gruppenmitglied des Blauen Kreuzes, mit berührenden Geschichten aus seinem Leben, sowie Interviews mit VertreterInnen und Verder beteiligten Sucht-Selbsthilfegruppen, die authentische Einblicke in ihre Arbeit gaben.
Neben der Bühne bot das Sommerfest zahlreiche Mitmach- und Begegnungsmöglichkeiten: Eine Fotobox erfreute sich großer Beliebtheit und sorgte für lebendige Erinnerungen, während der vom ALOS Freundeskreis organisierte Malworkshop kreative Zugänge und Gespräche in entspannter Atmosphäre ermöglichte.
Im Eingangsbereich präsentierten alle beteiligten Verbände ihr Informationsmaterial in Form von Flyern, Broschüren und Kontaktdaten, sodass BesucherInnen sich gezielt über Angebote informieren konnten. Ein besonderes Highlight war die gemeinsame Info-Messewand, die erstmals die Duisburger Sucht-Selbsthilfe in ihrer gesamten Bandbreite und Vielfalt darstellte – als ein starkes Netzwerk, das zusammensteht.
Ergänzt wurde das Programm durch Gesprächsinseln und alkoholfreie Cocktailangebote. Für köstliche Speisen in Form von Fingerfood sorgte das Team von AWOCado Duisburg.
Das Gesamtkonzept verband Information, Begegnung und Freude und vermittelte eindrucksvoll, dass Selbsthilfe nicht nur Unterstützung bedeutet, sondern auch Gemeinschaft, Kultur und Lebensfreude.
V. Projektergebnisse und Wirkung
Das Sommerfest im Stapeltor Duisburg war ein sichtbarer und gemeinschaftlich getragener Erfolg der Duisburger Sucht-Selbsthilfe. Die beteiligten arbeiteten dabei eng, partnerschaftlich und auf Augenhöhe zusammen. Unterstützt wurde das Projekt durch die Selbsthilfe-Kontaktstelle des Paritätischen Duisburg, die eine koordinierende Rolle übernahm und wesentlich dazu beitrug, den organisatorischen Rahmen zu sichern.
Erfreulich war auch die Einbindung professioneller Einrichtungen der Suchthilfe, die – wenn auch nicht in großem Umfang – als Gäste und GesprächspartnerInnen teilnahmen und damit Interesse an künftiger Kooperation signalisierten. Diese Verbindungen zwischen ehrenamtlicher und professioneller Hilfe stellen einen wichtigen Grundstein für nachhaltige Zusammenarbeit dar.
Nicht erreicht wurde hingegen das Ziel, Menschen ohne bisherigen Selbsthilfekontakt oder spontane BesucherInnen („Laufkundschaft“) in größerer Zahl anzusprechen. Trotz der offenen Einladung und eines lebendigen Programms blieb der Zulauf aus dem weiteren öffentlichen Raum geringer als erhofft. Rückblickend zeigte sich, dass der Veranstaltungsort Stapeltor, so passend er in seinerHaltung, Offenheit und Grundphilosophie auch war, möglicherweise zu wenig Durchlaufpublikum hatte, um zufällige BesucherInnen anzuziehen. Das Gelände bot ideale Bedingungen für Begegnung
und Austausch unter bereits Interessierten, war jedoch von der Lage und Ausrichtung her nicht ideal für spontane Außenkontakte.
Für künftige Projekte lässt sich daraus ableiten, dass neben der inhaltlichen Offenheit auch räumliche Zugänglichkeit ein entscheidender Faktor ist. Eine Kombination aus öffentlich gut frequentierten Orten (z. B. Stadtfeste, Fußgängerzonen, Parks) und begleitender Öffentlichkeitsarbeit könnte den niedrigschwelligen Zugang weiter verbessern.